Unser Wanderbuch
weit mehr als nur Erinnerungen
Neuenkleusheim. Am 1. 11. 1930 bekam die einklassige Volksschule Neuenkleusheim mit ihren 70 Schulkindern einen neuen Lehrer: Klemens Stracke einen tüchtigen Lehrer, wie sich zeigte.
Nach einer Winterwanderung im Januar 1931 hat ein Schüler den ersten Bericht in ein neu angelegtes Wanderbuch geschrieben. Es folgen viele Aufsätze von Schulkindern der verschiedenen Alterstufen (3. bis 8. Jahrgang) über Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung des Heimatdorfes, Eisenbahn- und Busfahrten zu entfernteren Zielen, für die sich die Kinder das nötige Geld mit Waldbeerensuchen verdient hatten.
In sehr lebendigen Schilderungen kommt nicht nur die Freude der Kinder an ihren Ausflügen zum Ausdruck, die Aufsätze in diesem Wanderbuch zeigen auch die Vielfalt dessen, was sie gesehen, erlebt und gelernt haben.
Unser Wanderbuch ist als Gruppenprojekt im Deutschuntericht angelegt und sollte in den nächsten Jahren die Erinnerungen und Erlebnisse der Schulkinder bei ihren Schulwanderungen und Fahrten aufnehmen, sie im sprachlichen Ausdruck und in der Schönschrift üben.
Dieses Wanderbuch, in dem die Wanderungen und Fahrten der Jahre zwischen 1931 und 1938 von den Kindern geschildert worden sind, dürfte ein vielleicht einmaliges Beispiel dafür sein, was die Volksschule eines kleinen Dorfes vor über 70 Jahren geleistet hat.
Hildegard Brüggemann, Bibliothekarin aus Neuenkleusheim, hat das Buch über die Jahre gerettet und 2006 als Anhang zu einem historischen Bilderbuch von Neuenkleusheim Damals, als unser Dorf noch ein ,Dorf war herausgebracht.
Eine Kostbarkeit, meinte auch Paul Heite, gebürtiger Kleusheimer und Großvater von elf Enkelkindern. Ihnen wollte er unbedingt diesen Schatz heben. Denn tatsächlich war dieser Schatz, obgleich nun im Buchhandel erhältlich, nicht recht wahrnehmbar. Die Aufsätze sind im Sütterlin-Alphabet verfasst, der Schrift, die die Neuenkleusheimer Kinder selbstverständlich damals lernten und nutzten. Für die Enkelgeneration erinnern die Buchstaben aber eher an Hieroglyphen. So machte sich Paul Heite daran, die Aufsätze ins lateinische Alphabet zu übersetzen. Die Arbeit vollendete nun Marianne Schulte.